Interview Uschy Szott

  1. logo-ausstellungErinnerst du Dich an den ersten Jugendtanztag? Deine Gefühle?

Das war einfach ein Sprung ins kalte Wasser; kommen genügen Leute? Funktioniert die Organisation? Ich habe mich ja bei der Planung immer auf mein Bauchgefühl verlassen.

Aber letzten Endes hat es einfach auch wahnsinnig Spaß gemacht, es hatte schon immer seinen Reiz, mit so vielen Jugendlichen kreativ zusammenzuarbeiten.

 

  1. Hast Du für die Zukunft noch Träume, was den Jugendtanztag betrifft?

Ehrlich gesagt sind das ziemlich viele…Mir fällt aber eine Sache auf Anhieb ein.

Die ist überhaupt nicht umsetzbar (schon allein wegen dem Geld, ich glaube, ich möchte da gar nicht drüber nachdenken, was das kosten würde!), aber ich träume schon lange davon, den Jugendtanztag zu splitten und auszuweiten. Das würde bedeuten, man verteilt Kinder- und Jugendteil und Contest auf zwei Tage. Man würde so einfach das Publikum weniger überfordern. Da gibt es Leute, die würden echt gerne alles anschauen, aber das würde bedeuten, dass sie ab 14.30 bis nachts da sind, das ist total unrealistisch.

Und es erklärt sich von selbst, wie fertig wir alle trotz Glücksgefühl nach einem Jugendtanztag sind. Manche meiner Mitarbeiter oder Helfer sind 16 Stunden im Einsatz, das ist schon krass, was für eine Leistung die da abliefern. Und hätten wir zwei Tage, wäre das nicht so arg viel wie jetzt.

 

  1. Hat sich die Musik des Jugendtanztags verändert?

Definitiv! In den ersten ungefähr zehn Jahren war -meiner Empfindung nach- die Vielfalt größer, weil der Hip-Hop nicht so eine starke Rolle gespielt hat; man hatte total Unterschiedliches und viel Underground Musik, weil das alles nicht so überlagert war. Aber ich schätze, das fällt mir auf, weil ich so eine Musiknärrin bin und es schon immer war. Mir persönlich macht es eben Spaß, ewig nach passender und außergewöhnlicher Musik zu suchen, aber das heißt auf gar keinen Fall, dass populäre Lieder oder Stile schlechter sind.

Vielleicht sollte ich sagen: ich wünsche manchen Gruppen oder Tänzern/innen, dass sie den Mut finden, mehr Vielfalt zu nutzen. Es gibt so viel Interessantes auf der Welt!

 

  1. Was bedeutet die Musik für den Jugendtanztag?

Die Musik ist vor allem natürlich der Hintergrund für den Tanz, aber sie spiegelt irgendwo auch die Jugendlichen. Man hört schon die Einflüsse oft, zum Beispiel aus dem Ausland oder die Musik ist anlehnend an irgendwelche neuen Filme oder so.

Und dann gibt es Kultstücke, die alle Zeiten überdauern und die, wenn sie ab und zu mal wiederkommen, von vielen erkannt werden. Eins von diesen Liedern wäre zum Beispiel „Hip Hop Hooray“ von Naughty by Nature, wenn das Lied läuft, versinken die ganz alten Tänzer in Nostalgie und man merkt, selbst bei den jüngeren kommt der Song im Herzen an.

Ich habe selbst mal ein Stück darauf choreografiert, da war das Lied gerade ganz neu und meine Tochter Isabelle höchstens 1 ½ Jahre alt. Ich sitze also an meinem Büro, Isi, die gerade laufen gelernt hat, wackelt aus dem Spielzimmer Richtung Musik und steht dann vor mir und meinem Schreibtisch im Schlafanzug, während sie die Bewegungen aus dem Video imitiert, genauer gesagt das Winken bei „Hooray Ho Hey Ho…“. Dabei konnte sie gar nicht wissen, wie das aussah!

 

  1. Gibt es spontan Dinge, die Dir sofort einfallen, wenn Du an den Jugendtanztag denkst?

Vor allem heißt Jugendtanztag für mich, dass überall wo ich bin alle gleichzeitig tausend Fragen an mich haben, was mich furchtbar stresst, aber was sich teilweise nicht vermeiden lässt und was auch dazu gehört.

Aber mein Bild vom Jugendtanztag ist eigentlich, morgens als erste an der Stadthalle anzukommen. Das ist dann so gegen 7 Uhr und ich muss jedes Mal hoffen, dass der Haustechniker schon da ist und mir aufschließen kann…

Das leere Foyer und der leere Saal haben eine ganz eigene Atmosphäre; alles ist noch kalt, grau und dunkel, aber ich weiß, dass in sieben Stunden hier alles voll ist und der Raum fast schon vibriert.

Das ist ein besonderes Gefühl, schwer zu beschreiben, eine Mischung aus Ruhe, Aufregung und Angst vielleicht.

 

  1. Worauf freust Du Dich immer am meisten?

Ziemlich unfassbar ist es immer, einen Moment lang nicht auf die Technik zu achten (wo ich normalerweise sitze und Anweisungen gebe) und die eigenen Stücke auf der Bühne zu sehen, unterm Strich bin ich eben doch vor allem Tänzerin und Choreografin.

Denn klar, ich habe eine Menge Vorstellungskraft, aber wir haben zum Beispiel nie eine Lichtprobe. In dem Moment ist dann alles so verdichtet, ich sehe die Ergebnisse meiner Arbeit, die glücklichen Gesichter der Tänzer/innen, dann eben das Zusammenspiel mit Licht usw. und die Musik (die macht mich immer völlig gefühlvoll).

Jedenfalls endet das nicht selten damit, dass ich vor dem Mischpult sitze und anfange zu heulen, während meine Kollegen von der Technik (die das ja schon kennen) ganz vorsichtig durch das Funkgerät fragen: „Uschy?“ Pause. „Uschy?“ Seufzen, dann: „Uschy, kann es sein, dass wir gleich die Lichteinstellungen wechseln müssen? Kannst Du uns bitte nur kurz Anweisungen geben?“.

 

  1. Welche Tanzrichtungen waren schon vertreten?

Ich zähle mal auf, was mir auf die Schnelle einfällt: Ballett, Jazz und Modern Dance natürlich, Rock’n’Roll, Twist, Stepptanz, Bauchtanz und alle möglichen anderen orientalischen Tänze, Indischer Tempeltanz, viel Afrikanisches, aber auch Folklore, z.B. türkische, serbische und kroatische Volkstänze, Schottischer Dudelsacktanz oder so was, das erinnere ich nicht mehr genau…, Japanischer Fächertanz, Flamenco, Musical, Karnevalstänze, Cheerleading, Ausdruckstanz, Improvisation und Hip-Hop und Breakdance, klar. Huiuiui, mir fällt gerade auf, dass das ja echt eine ganze Menge ist!

 

  1. Assoziationen:

Kinderstück- Gewusel

Menschen, mit denen Du zu tun hast- Ein super Team (und vor allem so belastbar)

Das Ende des Jugendtanztages, nachts- Müll, Schlüssel, Gepäck

Stresslevel- (Uschy fragt an dieser Stelle entspannt lachend nach, ob sie das richtig verstanden hat, dass ich Stresslevel gesagt habe) 24/7 am Abgrund

Stadt Heidelberg- Rückhalt

 

  1. Was wolltest Du dem Jugendtanztag schon immer mal sagen?

Sei noch mutiger!

 

  • Welche drei Worte würden den Jugendtanztag gut beschreiben?

Nervenkitzel, Lebensfreude, Spannung