Interview Uschy, Hermann, Uli

  1. logo-ausstellungKönnen Sie sich kurz vorstellen? Was hatten Sie mit dem Jugendtanztag zu tun?

HB: Ich war zuerst da, also fange ich mal an. Ab dem Beginn der 80er Jahre war ich Stadtjugendpfleger bei der Stadt Heidelberg, das heißt einfach Abteilungsleiter. Und irgendwann hatte ich beim frühmorgendlichen Duschen den Gedanken, dass man eigentlich mal eine Möglichkeit bräuchte für die Jugendlichen, ihre ganzen Talente auszuleben; Gedichte vortragen, singen, tanzen. Im Büro angekommen habe ich dann meine Mitarbeiter ein bisschen überrascht- und seitdem gab es die Jugendkulturtage.

US: Der Jugendkulturtag war irgendwann nicht nur inhaltlich völlig überlaufen von Tanzvorstellungen, sondern der räumliche Rahmen war irgendwann auch völlig erschöpft.

HB: Die Frage war also: Wie machen wir das besser? Uschy kam zu mir und ich fand ihre Ansätze sehr gut, deshalb habe ich eben gefragt: „Und wo genau stellst Du Dir das vor? Es gibt in Heidelberg nicht viele Orte, die in Frage kommen.“ Uschy hat daraufhin ein bisschen schüchtern gesagt-

US: „…so etwas wie die Stadthalle“ (lacht) Und Hermann hat mich völlig ernst angeschaut und gesagt: „Dann also die Stadthalle!“

HB: Ich habe auf mein Telefon gezeigt und zu Uschy gesagt: „da ist ein Telefon, ruf einfach an“- und sie ist auf einmal ganz schön blaß geworden. Aber sie hat angerufen und das war gar kein Problem, wie ich gehofft hatte.

UN: Dann stelle ich mich mal noch vor: Ich war der Nachfolger von Hermann. Hermann ist glaube ich schon nach dem zweiten Jugendtanztag nicht mehr im Amt gewesen. Ich habe den Jugendtanztag einmal privat erlebt und im Jahr darauf habe ich dann sozusagen den Staffelstab übergeben bekommen.

 

  1. Was hat sich verändert? Was ist gleich geblieben?

UN: Der Kern der Mannschaft ist immer noch Uschy, mit ihren Mitarbeitern und den ganzen Kollegen in der Plöck. Und mittlerweile scheint der Jugendtanztag, durch die perfektionierten Ablaufpläne selbst mir, der ich ja weiß, was passiert, wie von Geisterhand gesteuert. (Von dieser Feststellung sichtlich begeistert) So soll das doch sein, oder?

HB: Für mich persönlich hat sich ehrlich gesagt gar nicht so viel verändert, wenn ich darüber nachdenke. Ich stehe eben mit den Jahren immer etwas weiter weg von den Lautsprechern. Allerdings bin ich auch schon über siebzig, da ist das, finde ich, in Ordnung.

UN: Vermutlich sollte man sagen, der Schwerpunkt hat sich einfach ab und zu verlagert, das hat natürlich immer etwas mit den aktuellen Trends zu tun. Da gab es eine Zeit, in der wir ziemlich viele professionelle Tanzstudios hatten und Uschy und ich -wir sind um Gottes Willen nicht prüde- schon schlucken mussten und gesagt haben, „freizügiger darf es eigentlich nicht mehr werden“. Dann gab es eine Zeit mit vielen ethnischen Tänzen, türkischer Volkstanz zum Beispiel.

UN: Aber es gibt zum Beispiel Leute, die geblieben sind- Das Gesicht von Christoph (ein ehemaliger Hip-Hopper, Anm. HD) sehe ich bestimmt auch noch im Altersheim, der ist immer überall dabei, seit wie vielen Jahren?!

 

  1. Was für Meilensteine gab es in der Geschichte des Jugendtanztages?

UN: Der erste Einschnitt, der mir einfällt, ist die Umstellung auf professionelle Security und das Rauchverbot, oder? Hätten wir den Ordnungsrahmen nicht geändert, wäre uns früher oder später einfach die Stadthalle um die Ohren geflogen.

HB: Wichtig ist sicher auch die Finanzierung des Stadtjugendrings. Und wir hatten insgesamt mit den Jahren viel mehr Unterstützung von außerhalb, fällt mir gerade auf. Das hieß, dass ich keinen Ärger mehr von meiner Frau bekommen habe, weil ich bis nachts um zwei in der Plöck saß. Sie hat immer gesagt, das gäbe es doch gar nicht, dass ein Angestellter der Stadt so lange arbeiten muss (Aus Uschys Richtung kommt an dieser Stelle ein sehr trockenes „Oh doch, das gibt es“, worauf Hermann Bühler mit einem sehr liebevollen „Du bist ja sowieso überall die Ausnahme“ antwortet).

 

  1. Was für Hindernisse können sich am Tag selbst ergeben?

US: Da gibt es unendlich viele Möglichkeiten für Pannen, aber ganz klassisch sind verloren gegangene Tanzgruppen- die dann erst ausgerufen werden müssen, damit sie auftreten können. Sehr peinlich.

HB: Besonders toll finde ich auch die Geschichte mit den Bändchen. Wir haben schon ganz lange getrennte Armbänder für Tänzer/Zuschauer, Saal/Balkon und Kinderteil/Hip-Hop-Contest. Irgendwann, ich weiß nicht mehr genau wann, gab es schwarz und weiß und das hat damit geendet, dass sich ein Großteil der Leute die weißen Bänder (die weniger wert waren, sozusagen) mit schwarzem Edding angemalt haben (grinst). Erstmal merkt man das halt leider nicht bei so schlechtem Licht…

 

  1. Was macht den Jugendtanztag besonders?

HB: Der Jugendtanztag zeigt ziemlich gut, was mein Arbeitsauftrag in den ersten paar Jahren als Stadtjugendpfleger war: Jugendarbeit nicht nur für Bedürftige, sondern für alle. Als ich kam, hieß Jugendarbeit nämlich nur, dass in irgendeinem versifften Zimmer fünf Sozialarbeiter und drei Jugendliche saßen, die Jugendlichen haben Bier getrunken und dummes Zeug gemacht und der Rest musste sich, wenn er irgendwas wirklich wollte, in Vereine eintragen. Also hieß es: „Bühler, du gehst dahin und setzt Jugendarbeit für alle um.“ Zusammen mit all meinen Mitarbeitern und eben den Nachfolgern haben wir das glaube ich im Falle des Jugendtanztages ganz gut hinbekommen.

 

  1. Was wollten Sie dem Jugendtanztag noch sagen?

HB: Mach weiter so!

UN: Uschy hat noch fast zwanzig Berufsjahre, nutz das aus! (Von Uschy kommt ein empörtes „Nicht zwanzig!“)

 

  1. Und wie sehen Sie die Zukunft des Jugendtanztages?

UN: Mit dem anstehenden Umbau des Hauses der Jugend werden wir zwangsweise zu Teilen eine andere Schiene fahren, um die Bauzeit zu überleben und einen fliegenden Start auf die Reihe zu bekommen. Das letzte, was wir wollen, ist, dass der Jugendtanztag darunter leidet.