Interview Michael Schoefer

logo-ausstellung1. Was sind Ihre Berührpunkte mit dem Jugendtanztag?

Bis zu meinem ersten Jugendtanztag am 18.12.1993 kannte ich diese Veranstaltung noch gar nicht. Erst durch den befreundeten Medienexperten und Kameramann Berndt kam ich mit dem Jugendtanztag in Berührung, indem er mich bat, ihm bei der Video-Aufzeichnung zu assistieren. Ab 1997 habe ich dann die Aufgabe der Aufzeichnung von Berndt gänzlich übernommen.

2. Wie laufen Ihre Arbeitsschritte für einen Jugendtanztag ab?

Drei Tage vor dem Jugendtanztag: Akkus laden, Speicherkarten besorgen.
Liegt mir bereits der Ablaufplan mit den Namen der Gruppen, Trainern und Vereinen vor, so werden die Titel für die DVD programmiert („Bauchbinden“).
Am Vortag: Das benötigte Equipment zusammenstellen.
Vormittags am Jugendtanztag: Einladen und Abfahrt gegen 11:30 Uhr. Aufbau, Inbetriebnahme und Test der Anlage bis spätestens 14 Uhr. Zwischendurch Akkus wechseln und Speicherkarten sichern.
Nach dem Ende des Jugendtanztag: Abbau, Einladen, nach Hause fahren (und ziemlich platt sein).
Nach dem Jugendtanztag: Speicherkarten in Videorechner einspielen;
Kinderteil, Jugendteil, Contest A und B nachbearbeiten und als DVD-Stream rendern; Programmierung von ebendiesen vier DVD, Brennen
Danach: Selbstreflexion, was hat alles gut geklappt, was könnte noch besser laufen… Wie könnten eventuelle Probleme beim nächsten Jugendtanztag gelöst werden…

3. Haben Sie konkrete Erinnerungen?

Oh ja! Jeder Jugendtanztag war (und ist) eine Herausforderung! Und dann immer die bangen Fragen: Hält die Technik durch? Reichen uns die Videobänder pro Teil, um nicht die Kassetten während einer Performance wechseln zu müssen? Wie ist die Bühne ausgeleuchtet? Sind wir rechtzeitig in Heidelberg? Bekommen wir überhaupt noch einen Parkplatz?
Als besonderes und spannendes Erlebnis empfinde ich jedes Jahr das Wiedersehen vieler Personen und Gesichter im Sucher meiner Kamera und anschließend bei mir zu Hause am Schnittplatz: wie alte Bekannte und Freunde kennt man ja die Gesichter schon. Zwischen den einzelnen Jugendtanztagen entwickeln sich die Menschen und reifen zu jungen Erwachsenen heran, formen neue Talente und Fähigkeiten, lernen neue Tänze und Ausdrucksformen – das alles aus dem Blickwinkel der anonymen Masse der Zuschauer ohne tatsächlich den Einzelnen zu kennen. So geht es mir. Und doch: Trotzdem fühle ich mich irgendwie dazugehörig. Hierfür bin ich sehr dankbar.

4. Was ist bei Ihrer Arbeit am Jugendtanztag anders als sonst?

Ich muss, anders als sonst, wo auch Nahaufnahmen einbaubar sind, den Ausschnitt so wählen, dass die Gruppe so weit wie möglich als Ganzes zu sehen ist, aber nicht unnötig weit weg steht. Das heißt: ich versuche so weit wie möglich die Bewegung der Gruppe vorauszuahnen, damit ich die Kamera ohne merkliche Verzögerung in die tatsächliche Richtung schwenken kann.