Interview Johannes Alisch

Johannes Alisch, Kinderstück-Verfasser und Regieassistent

1. Wer bist Du? Kannst Du Dich kurz vorstellen?logo-ausstellung
Ich lebe seit über zehn Jahren in Heidelberg und arbeite hier als Musiker, Mitarbeiter an der Uni, Schriftsteller… manchmal will ich fast sagen: Spezialisierung ist doch was für Insekten!

2. Was waren Deine Berührpunkte/Aufgaben am Jugendtanztag?
Ich habe zwischen 2011 und 2015 jedes Jahr ein Kinderstück für den Jugendtanztag verfasst, bei den Proben Uschys Regie unterstützt und schließlich geholfen, eine Geschichte zur Aufführung zu bringen, die wir über den Sommer zusammengesetzt haben.

3. Wie kamst Du zum Jugendtanztag?
Ein Freund, dessen Kinder bei Uschy Szott tanzen, hat mich angehalten, sie zu kontaktieren. Man suche Unterstützung bei der Umsetzung eines Kinderstücks – das war im Frühjahr 2011, die ersten Sonnenstrahlen kamen gerade heraus, nicht lange bevor das erste meiner Stücke „Max und die Wilden Kerle“ (auf der Grundlage des Kinderbuch-Klassikers) herauskam.

4. Hast Du konkrete Erinnerungen an Schlüsselmomente?
Eine Hundertschaft Kinder in handgefertigten Kostümen beleben die Bühne zum Schluss-Applaus in der Stadthalle, nachdem sie mein Stück aufgeführt haben, meine Dialoge gesprochen haben, und die einmaligen Choreografien getanzt haben, unsere Geschichte erzählt haben! Das war – vielleicht besonders beim ersten Mal 2011 – ein ganz besonderer Moment. Es gab auch bestimmte Auftritte in den Stücken, auf die ich mich immer besonders gefreut habe und manchmal sehe ich eine der DVD’s an oder zeige es Freunden, aber es ist nicht annähernd so wie in der Stadthalle. Die ganze Stimmung ist fantastisch, vor allem die Konzentration der Kinder, diese unglaubliche Konzentration!

5. Wie sah Deine Vorbereitung aus?
Uschy Szott und ich haben uns regelmäßig im Mai, spätestens im Juli vor den großen Ferien in einem Café getroffen, um uns über neue Ideen und Möglichkeiten für eine neue Geschichte auszutauschen. Daraus sind dann Figurenskizzen, Dialoge, kleine Hintergrundgeschichten und Spinnereien entstanden, aus denen ich dann anschließend den Sommer über „im stillen Kämmerlein“ oder auf der Urlaubsinsel in der Sommerfrische ein zusammenhängendes Stück, das heißt eine stimmige Geschichte gebaut habe.

6. Was hat Dir bei dieser Arbeit am meisten Spaß gemacht?
Die Gestaltung der Figuren ist vielleicht die schönste schriftstellerische Aufgabe, oder die Freude über eine stimmige Wendung im Geschehen, gute Ideen für den Verlauf der Geschichte, und so weiter. Den größten Spaß aber macht es in dem Moment, in dem die jungen Schauspieler-Innen bei den Proben mit gelerntem Text antreten, die Geschichte verstehen und sie dann als Schauspieler, Tänzer und Statisten zu erzählen beginnen, wenn es langsam aber sicher wächst und immer stabiler wird.

7. Worauf musstest Du achten, auf was Du normalerweise beim Schreiben nicht achtest?
Es war äußerst herausfordernd für Kinderschauspieler zu schreiben, weil ich entscheiden musste, ob der Text nun zu schwer wird oder nicht. Das bezieht sich auf die reine Menge des Textes, aber auch auf die Komplexität von gesprochenen Szenen. Und ich war immer beeindruckt: Kinder entwickeln eine unwahrscheinliche Energie und Durchhaltevermögen, wenn sie sich positiv herausgefordert fühlen, im Prinzip sind sie „ideale Schauspieler“ mit dem Motto: Nicht zu viel nachdenken, sondern akzeptieren und erstmal machen! So konnte ich beim Schreiben irgendwann „an die Grenze“ gehen und habe dann häufig gemerkt, dass die komplizierten Textpassagen gar kein Problem darstellten, es wurde einfach angenommen. Außerdem war es sehr wichtig, dass die Textpassagen so funktionieren, dass sie an die Choreographien angeschlossen werden können, das heißt es ist nicht einfach eine Art „Nummern-Revue“, sondern ein möglichst fließendes Ganzes. Ohne formale Einschränkung zu arbeiten war aber etwas Tolles.