Interview Isabelle Szott

Isabelle Szott, ehemalige Tänzerin, Mitorganisatorin und Uschy Szotts Tochter

1. Hat Uschy Dich als kleines Kind schon mitgenommen?logo-ausstellung
Soweit ich es aus Erzählungen weiß, war ich immer schon dabei. Am Anfang natürlich nur für ein paar Stunden, aber ich erinnere mich auch daran, wie ich in Mamas Garderobe geschlafen habe oder als kleines Kind den Securities erklärt habe, sie mögen mich doch bitte in die Halle zum HipHop Contest lassen, ich bin die Tochter von der Uschy. Die Stadthalle ist wie ein zweites Zuhause, ich habe schon früh alle Ecken erkundigt und unsicher gemacht. Die einzige Frage, die ich trotzdem am Jugendtanztag normalerweise nicht beantworten kann (und am häufigsten gestellt bekomme), ist: „Wo ist deine Mama?“.

2. Man hat manchmal das Gefühl, der Jugendtanztag ist wie ein Familienunternehmen mit Agathe Wolf und ihrer Familie, Uschy und Dir, Jura Friedrich, der sich vehement als Dein Bruder bezeichnet usw. Stimmt das?
Es gibt auf jeden Fall einen Kern an Menschen, ohne die der Tag niemals möglich wäre, die den Jugendtanztag zu dem geformt haben, was er ist, und die all ihr Herzblut investieren. Das sind meine Mama, die Wölfe und Jura (der ja inoffiziell adoptiert ist), das stimmt schon. Abgesehen davon gibt es aber noch hunderte andere, die extrem zum Jugendtanztag beitragen. Allen voran natürlich die Tänzer und Trainer, Zivis und Bufdis, freiwilligen Helfer, Eltern, die Heidelberg Bulls, der Stadtjugendring, die Moderatoren und Juroren, diverse Sponsoren und andere Angestellte vom Haus der Jugend und der Stadt Heidelberg.

3. Kannst Du die Mitglieder dieser „Familie“ beschreiben?
Meine Mama ist natürlich diejenige, die den Jugendtanztag ins Leben gerufen hat, die schon jedes Jahr in den Sommerferien mit der Planung anfängt, Choreos vorbereitet, Programmhefte
und Plakate koordiniert, Jury und Moderatoren findet, alle beteiligten Parteien
zusammenbringt, den Zivis (heutzutage Bufdis) meterlange To-Do-Listen gibt,
Zeitungen kontaktiert und alle Stücke, die den Jugendtanztag formen, zusammenbringt.
Agathe ist das Kostümwunder, die es jedes Jahr schafft, mit einem mehr als bescheidenen Budget die fantastischsten Kostüme für hunderte Kinder zu zaubern, und ohne deren Unterstützung für meine Mama vieles undenkbar wäre.
Rudi ist die stille Kraft im Hintergrund, der vor sich hingrummelt und hin-und wieder einen trockenen Kommentar bringt. Vom Kulissenbau bis zum Aufbau am Jugendtanztag selbst, ist er immer dabei und packt mit an, weiß die Lösung zu allen Problemen und repariert, was auch immer grade abgebrochen oder abgefallen ist. Rosa und Emma sind Multitalente, denen man so ziemlich alles anvertrauen kann. Egal ob es darum geht, einen Träger anzunähen, ein Stück Kulisse zu reparieren, verlorene Kinder zu finden, für Ordnung und Ruhe zu sorgen oder darum, möglichst einfach eine kreative Lösung für irgendein Problem zu finden.
Jura ist der chaotischste von allen. Wer ihn besser kennt, weiß aber, dass er es auf irgendeine wundersame Weise immer schafft, sein Chaos im letzten Moment zu überwinden und mit vollem Einsatz da zu sein. Seit Jahren nimmt er sich die Woche vor dem Jugendtanztag frei, um voll und ganz bei der Organisation zu helfen. Einkaufstrips, Reparaturen oder ein regelmäßiges „Keine Sorge, ich kümmer‘ mich drum“ sind seine Spezialität.

4. Hat der Jugendtanztag in irgendeiner Form Deine Beziehung zu Deiner Mutter beeinflusst?
Ich denke, viele Kinder wissen zwar, was ihre Eltern beruflich tun, aber wie genau der Job aufgebaut ist, was die Herausforderungen sind und wieviel Herzblut drin steckt, das bekommt man nicht immer so mit.
Bei mir war das anders. Soweit ich zurückdenken kann, arbeitete meine Mama in den Wochen vor dem Jugendtanztag bis spätnachts, an Wochenenden und in den Ferien.

5. Was hast Du als Kind von den Vorbereitungen mitbekommen?
Viel. Unsere Wohnung war prinzipiell übersät mit Notizen, Listen und Plakaten. Ständig lief Musik für die Vorbereitung von Choreos. Das Telefon klingelte am laufenden Band und viele Treffen und Sitzungen fanden bei uns daheim statt. Dazu kamen die Tonnen an Muffins, die Uschy jedes Jahr für ihre Schüler bäckt, die „Dankeschöns“ für ihre Helfer, die sich ansammeln und die Wäschekörbe voll an Dingen die man am Tag selbst braucht…

6. Was weiß man nicht über den Jugendtanztag, wenn man nicht zufällig Uschys Tochter ist?
Die Kleinigkeiten die das große Ganze machen – Klatsch und Tratsch – wie viele individuelle Personen sich bei ihr bedanken – das volle Ausmaß an Leidenschaft und Hingebung das darin steckt – dass sie in der Nacht vor dem Jugendtanztag fast nie ein Auge zu bekommt – dass sie am Tag danach schon wieder mit Aufarbeitung, Verbesserungen fürs nächste Jahr und Honoraren beschäftigt ist

7. Was wolltest Du dem Jugendtanztag schon immer mal sagen?
Danke, dass Du so vielen jungen Menschen eine Plattform bietest, der Welt zu zeigen, was sie können. Egal, woher sie kommen und wer sie sind, jeder, der am Jugendtanztag auf der Bühne steht, darf einfach nur Tänzer sein.