Interview Carina Menzel

Carina Menzel, Tänzerin

Haarspray, Gummibärchen und der Neckar bei Nacht
Warum der Jugendtanztag ein Teil von mir ist…logo-ausstellung

30 Jahre, das ist eine unglaublich lange Zeit für ein Event wie den Jugendtanztag. 30 Jahre, und das wahnsinnige ist: 13 Jahre durfte ich ihn bisher begleiten.
13 Jahre ist es nun her, dass ich zum ersten Mal auf diesen Brettern in der Stadthalle Heidelberg stand, die, und wenn ich eines Tages am Broadway stünde, die sind, die mir doch am meisten bedeuten würden. Bei denen in mir sofort ein Gefühl aufsteigt, das sich kaum beschreiben lässt.
Und doch versuche ich, Euch alle teilhaben zu lassen an dem, was meine Kindheit, meine Jugend und eigentlich mein ganzes Leben geprägt hat: der Jugendtanztag. Mit vier war ich zum ersten Mal dabei und in all den Jahren bis heute ist Aufhören nie eine Option für mich gewesen. Denn seit ich klein war, faszinierte mich dieses Event: die Kostüme, die Kulissen, die Schminke und, natürlich, die Tänze. Jedes Jahr aufs Neue war es der erste Termin, der im Kalender stand und auf jeden Fall der, auf den ich am sehnsüchtigsten wartete.
Und wenn es dann soweit war, war die Vorfreude kaum noch in Schach zu halten. Wochen im Voraus die Planung, das Feilen an den Tänzen, die Generalprobe im Haus der Jugend, die Bühnenprobe im Kongresshaus. Immer war es faszinierend für mich, am Tag der Bühnenprobe plötzlich „hinter die Fassaden“ blicken zu können, da standen plötzlich all die Tänzer ohne schillernde Kostüme, ohne jegliche Schminke im Gesicht auf der Bühne.
Und dann der große Tag selbst. Unglaublich viel verbinde ich mit diesem einzigartigen Tag, der beinahe jedes Jahr meines bisherigen Lebens zu einem ganz besonderen machte.

Jedes einzelne Kostüm, jeder Auftritt, … Aber ganz besonders für die Jugendtanztage ist für mich seit eh und je, durch die Stadthalle zu laufen, wenn noch niemand da ist. In Nylonstrümpfen über den edlen Teppichboden huschen, auf dem sich später die Gäste tummeln. Der leere Balkon, die leeren Reihen, die Bühne, die noch gekehrt wird und die Techniker, die unten Soundcheck machen, die ganzen Tänzer, noch ungeschminkt, in ihren Kostümen, die ich dann später auf der Bühne wieder erkenne. Die ganzen Konferenzsäle, die als Umkleiden umfunktioniert werden, das Gustav-Mahler-Zimmer, in dem die Kulissen bereitstehen. Die Toiletten, stets ein Ort geschäftigen Treibens, dort stehen Tänzer, schminken sich, tupfen besorgt mit Papierhandtüchern in ihrem geschminkten Gesicht herum. Wenn es später wird, der Blick aus den Fenstern, hinaus auf den glitzernden Neckar, der direkt am Kongresshaus vorbeifließt. All das hat so ein ganz besonderes Flair, dieses Gefühl, das man nur verstehen kann, wenn man es selbst erlebt.
In den Umkleiden die „Helfer-Mamas“, die am laufenden Band schminken und frisieren. Und da kommt das Haarspray ins Spiel. Die Tonnen von diesem Zeug, die mir jedes Jahr in die Haare gesprüht werden, haben mich sehr geprägt. Immer, wenn mir der Geruch von Haarspray in die Nase weht, habe ich sofort das geschäftige Treiben in den Umkleiden vor Augen. Selbst heute, wo ich es auch außerhalb des Jugendtanztages für meine Frisuren verwende, wird es immer etwas Besonderes sein.
Und so auch die Gummibärchen. Tütenweise liegen sie in den Umkleiden herum, um die Kleinen und die Großen bei Laune zu halten. Seit ich vier Jahre alt bin, an jedem JTT – sie schmecken einfach nach Jugendtanztag.
Selbst das rutschige Treppenhaus hinter dem Gustav-Mahler-Zimmer hat für mich eine Bedeutung. Wie vorsichtig ich dort laufen musste, wenn ich in Steppschuhen unterwegs war…

Und schließlich das aufgeregte Getuschel im Gustav-Mahler-Zimmer, bevor
der Auftritt losgeht. Die Tänzer, die gebannt an die Wand starren, die das
Treiben auf der Bühne zeigt. Die aufgekratzten Tänzer, die durch die Tür
hineinstürmen, rote Wangen vom Auftritt, ein Leuchten in den Augen, sich erleichtert das Haar raufen und immer wieder der Satz „Das ging so schnell, ich würde am liebsten sofort wieder hinaus!“
Letzte Ängste werden beseitigt, ein letztes Mal das Make-Up aufgefrischt, noch ein wenig Haarspray in die Frisur. Die stetig wachsende Aufregung, wenn es hinter die Bühne geht, dann dieser unglaublich kurze Moment draußen im Scheinwerferlicht und dann… alles vorbei? Immer, wenn ich von dieser Bühne trete, bin ich unglaublich glücklich und würde am liebsten sofort wieder hinaus ins Scheinwerferlicht treten.
Und dann der Rest vom Abend. Es ist ein besonderes Gefühl, zwar in den richtigen Klamotten, aber immer noch geschminkt und mit Tonnen von Haarspray im Haar, das man irgendwie versucht zu bändigen, in den Reihen zu sitzen und die restliche Vorstellung zu genießen. Es ist das Gefühl, ein Teil von alldem zu sein.

Auch die Stimmung beim Hip-Hop-Contest ist unglaublich. Auch, wenn ich selbst nur zusehe und nicht mittanze, sind diese Abende immer etwas wahnsinnig Besonderes, die Gruppen anfeuern, jubeln, wenn sie gewonnen haben.

Und wenn ich nachts zu Hause vor dem Spiegel stehe und mich abschminke, todmüde, aber wahnsinnig glücklich, denke ich mir jedes Mal: zu gerne würde ich zurück zum Anfang des Tages gehen und ihn einfach noch einmal erleben.

In diesem Sinne: Happy Birthday, Jugendtanztag!